Sprachgeschichte zum Anfassen: Akademievortrag zum Projekt „Historische Fremdsprachenlehrwerke digital“ an unserer Schule
Am 15.01.2026 waren mit Elena Bandt und Prof. Dr. Horst Simon zwei Forschende der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zu Gast an unserer Schule. Im Rahmen der Akademievorträge an brandenburgischen Schulen – einem Projekt der Initiative „Akademie und Schule“ – stellten sie ihr Forschungsprojekt „Fremdsprachenlehrwerke digital“ vor.
In zwei aufeinanderfolgenden, interaktiven Vorträgen für den Deutsch-Leistungskurs sowie den Deutsch-Grundkurs vermittelten die Referierenden, wie Fremdsprachen aus Sicht des Deutschen in der Frühen Neuzeit gelernt und gelehrt wurden. Zugleich gingen sie der Frage nach, wie sich Aussagen über gesprochene Sprache aus einer Epoche treffen lassen, aus der keine Tonaufnahmen überliefert sind. Als zentrale Quellen dienen dabei historische Fremdsprachenlehrwerke – eine vielseitige Textsorte, die Merkmale von Wörterbüchern, Grammatiken und Gesprächsbüchern in sich vereint. Diese wurden oftmals von sogenannten Sprachmeistern verfasst. Dabei handelte es sich häufig um ausländische Hofbedienstete, die beispielsweise Musik oder Tanz unterrichteten und daneben Sprachunterricht erteilten.
An ausgewählten Beispielen wurde deutlich, welche Erkenntnisse sich aus diesen Texten gewinnen lassen: etwa zu früheren Vorstellungen von Grammatik, zu typischen Kommunikationssituationen oder zu sprachlichen Wendungen, die für Reisen und Handel von Bedeutung waren. Darüber hinaus erhielten die Schülerinnen und Schüler Einblicke in die heutige wissenschaftliche Arbeit mit diesen Quellen, insbesondere in deren Digitalisierung und Erschließung als mehrsprachige Textsammlungen. In einem praktischen Teil erprobten sie selbst das Lesen und Übertragen historischer Texte und konnten so unmittelbar nachvollziehen, wie Forschung an solchen Materialien funktioniert.
Die Veranstaltung knüpfte inhaltlich unmittelbar an die Themen der Qualifikationsphase an. Während Mehrsprachigkeit und Sprachwandel bislang vor allem aus synchroner Perspektive betrachtet wurden, eröffnete der Vortrag eine anschauliche diachrone Sichtweise und verband diese mit praxisnahen Einblicken in wissenschaftliches Arbeiten.
KAS




